Effets d’une médiation théâtrale sur l’expression en langue étrangère : regard de terrain
Article d’Helene Fiechtner
Helene Fiechtner : Pédagogue en Respiration, Parole et Voix formée à la CJD Schule Schlaffhorst-Andersen, Bad Nenndorf, stagiaire en mobilité professionnelle au Centre CREAL de mars à juin 2026.
Abstract (français)
Lors de mon stage Erasmus+ au Centre CREAL, j'ai participé au projet théâtral franco-allemand « Woher – Wohin, construire le monde demain ». Ensemble, des élèves allemands et français ont créé une pièce de théâtre bilingue abordant des thèmes tels que les mutations sociales, l'égalité et un avenir solidaire. J’ai particulièrement aimé observer le rôle important que jouent la respiration, le travail corporel et la voix dans la méthode Thealingua utilisée durant le projet. Grâce à divers exercices, les jeunes ont pu renforcer leur présence, gagner en confiance en eux et surmonter leurs inhibitions lorsqu’ils s’expriment dans une langue étrangère. À la fin de la semaine, des progrès étaient visibles dans leur capacité d’expression et leurs interactions. Ce projet m’a montré de manière saisissante comment le travail d’improvisation théâtrale pouvait allier apprentissage des langues, développement personnel et échanges interculturels.
Abstract (deutsch)
Im Rahmen meines Erasmus+-Praktikums beim Centre CREAL nahm ich am deutsch-französischen Theaterprojekt „Woher – Wohin, construire le monde demain“ teil. Gemeinsam entwickelten deutsche und französische Schüler*innen ein zweisprachiges Theaterstück zu Themen wie gesellschaftlichem Wandel, Gleichberechtigung und einer solidarischen Zukunft. Besonders interessant war für mich zu beobachten, welche wichtige Rolle Atmung, Körperarbeit und Stimme im Thealingua-Konzept spielen. Durch verschiedene Übungen konnten die Jugendlichen ihre Präsenz stärken, Selbstvertrauen gewinnen und Hemmungen beim Sprechen in einer fremden Sprache abbauen. Am Ende der Woche waren einige Fortschritte in ihrer Ausdrucksfähigkeit und ihrem Zusammenspiel sichtbar. Für mich zeigte das Projekt eindrucksvoll, wie Improvisationstheaterarbeit Sprachlernen, persönliche Entwicklung und interkulturellen Austausch miteinander verbinden kann.
Article en allemand / Bericht
Gerade in Saint-Étienne angekommen, hatte ich bereits die Gelegenheit, am Projekt „Woher – Wohin, construire le monde demain“ teilzunehmen. Dabei erarbeiteten zwei Klassen – eine französischsprachige und eine deutschsprachige – ein zweisprachiges Theaterstück, das aus vielen kleinen Szenen bestand.
Das Projekt dauerte insgesamt fünf Tage (23.03.–27.03.) und fand in der internationalen Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte (JBS) „Albert Schweitzer“ im Elsass in Niederbronn-les-Bains statt. Geleitet wurde es von drei TheaterpädagogInnen und ThealinguistInnen: Marjorie Nadal, Damien Poinsard und Olivia van Riesen vom Centre CREAL.
Die Gestaltung des gesamten Theaterstücks basierte größtenteils auf dem Konzept Thealingua. Begleitet wurden die beiden Klassen von ihren Lehrkräften Ellen Dupeyrix und Ines Palm vom Bunsen-Gymnasium Heidelberg sowie Martin Bundgen und Guillaume Surmont vom Lycée Stanislas in Wissembourg.
Ich, Helene Fiechtner, nahm als Praktikantin teil und reiste am Montagabend an. Das Projekt war das erste meines dreimonatigen Erasmus+ Programms im Centre CREAL– Créations et Recherches en Éducation, Arts et Langues – in Saint-Étienne. Das Praktikum begann, nachdem ich Ende Januar meine Ausbildung zur Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin in Deutschland abgeschlossen hatte.
Die Themenschwerpunkte des Projektes lagen bei einer jungen Generation, die tatkräftig Veränderungen anstoßen möchte - hin zu einer Gesellschaft, die keine Ländergrenzen benötigt, da Diskriminierung zwischen Menschen und unterschiedlichen Nationalitäten und Kulturen keinen Sinn ergibt. Wie kann eine Welt aussehen, in der es weniger Armut gibt und wie kann die Politik aktiv etwas dafür tun? Mit den Szenen wurde das Bild einer Welt im Jetzt-Zustand aufgezeigt und wie sie zukünftig aussehen kann. Der Wechsel einer hoffnungsvollen Zukunftswelt wurde durch ein lebendiges Standbild visualisiert: eine Maschine, die zunächst funktioniert, am Ende jedoch kollabiert.
Aus meiner Perspektive konnte ich beobachten, welche zentrale Rolle die Arbeit an Atmung, Körper und Stimme im Konzept Thealingua spielt – ein Bereich, an den ich mit meinen Erfahrungen aus meiner Ausbildung gut anknüpfen kann.
Zudem hatte ich die Möglichkeit, mich gemeinsam mit der Gruppe in verschiedenen Übungen zu Atmung, Stimme und Körper auszuprobieren.
Ich habe in meiner Ausbildung gelernt, dass ein fester Stand auf dem Boden (im Konzept Schlaffhorst- und Andersen auch Bodenkontakt genannt), für Sicherheit, Präsenz und Aufrichtung sorgt. Dabei geht es trotzdem darum in der ansteuerbaren Muskulatur flexibel und beweglich (im Konzept Schlaffhorst-Andersen auch Durchlässigkeit genannt) zu bleiben. Bei der Durchlässigkeit geht es darum, einen eutonen (spannungsausgleichenden) Zustand der Muskulatur zu erlangen. Ich habe beobachtet, dass durch verschiedenste Vorübungen, also zum Beispiel kreisen der Gelenke oder das Ausschütteln von verschiedenen Körperteilen, ein solcher Zustand wie zuvor beschrieben, erreicht werden kann. Die Atmung fließt wiederum nur dann gut, wenn durch die vorbereitende Aufwärmarbeit des Körpers – beispielsweise durch Schüttelbewegungen oder kreisende Bewegungen – eine Grundlage für das anschließende Sprechen geschaffen wird. Die Spannungsveränderung wirkt sich dann nämlich auch unmittelbar auf den Kehlkopf aus.
In Bezug auf die Atmung habe ich eine interessante Übung gesehen, bei der Plosive (p,b,t,d,k,g) genutzt wurden, um die Atmung zu aktivieren. Je nachdem, mit welcher Intensität, also auch Zwerchfell- und Lippenspannung die Plosive ausgesprochen werden, wird das Zwerchfell, unser Hauptatemmuskel, über eine feine Spannung trainiert (Tonanregung). Das Zwerchfell wird immer wieder kurz kontrahiert und gelöst. Dies ist wiederum die Grundlage für die Tonerzeugung, da unser Kehlkopf über die Luftröhre, die durch die Lunge geht (Motor der Stimme), mit dem Zwerchfell verbunden ist. Über die Klangformung, also dem Ansatzraum/Resonanzraum (Mundraum, Nasenraum, Rachenraum), entsteht der Stimmklang.
In meiner Ausbildung habe ich die sogenannte „Halbmondübung“ kennengelernt, die es in unterschiedlichen Varianten gibt und die ich mit den Schüler*innen ausprobiert habe. Man steht hüftbreit aufgerichtet mit einem sicheren Stand auf dem Boden, den Arm nimmt man in der Einatmung nach oben und lehnt sich rüber auf die andere Seite. Jetzt steht man in einer gebeugten schrägen Position. Anschließend wird der Brustkorb mit der anderen Hand in seiner vollen Länge abgeklopft. Man atmet währenddessen aus und klopft - die Intensität des Klopfens kann angepasst werden-, bis man den Arm mit einer Ausatmung wieder runternimmt und die Seiten wechselt. Die Übung bewirkt eine Dehnung der seitlichen Rippenmuskulatur. Die äußere Rippenmuskulatur hebt und weitet den Brustkorb und hat eine inspirationsfördernde Wirkung.
Durch das Zusammenarbeiten der Funktion der Atmung in Bezug auf die Stimme über den Einsatz des Köpers, wird eine Präsenz für das Sprechen auf der Bühne geschaffen. Dadurch, dass es im Konzept Thealingua unter anderem darum geht, die Angst vor dem Sprechen in einer Bühnensituation in einer anderen, ungewohnten Sprache zu verlieren, ist die Vorarbeit an Atmung und Stimme notwendig. Die Regulation der Atmung wirkt beruhigend auf das Nervensystem – insbesondere in Situationen, in denen man in einer anderen Sprache spricht, die körperliche und stimmliche Spannung erhöht ist, man die eigene Komfortzone verlässt und dabei gleichzeitig in Kontakt mit anderen tritt.
Am Tag der Aufführung - und damit am Ende der Theaterwoche, hatte sich aus meiner Sicht sowohl in den Abläufen als auch in der Ausdrucksfähigkeit bei den Schüler*innen nochmal sehr viel entwickelt. Kurz vor der Aufführung wurde von Seiten der Thealinguist*innen eine Übung angeleitet, die für den Fokus auf der Bühne sorgen sollte. Dabei sollten die Jugendlichen wie ein Pulk zusammenstehen und ganz aufmerksam hören, welche Ansage von der Person, die vor der Gruppe steht, gemacht wird. Die Person gibt ein Signal, indem sie so tut, als halte sie einen Gegenstand in der Hand, bei dem die Gruppe bei bestimmten Bewegungen ausweichen muss. Dabei gab es „A gauche“ für zur linken Seite lehnen, „a droite“ für zur rechten lehnen, „au milieu“ für die Teilung der Gruppe in der Mitte, “Tete”, um sich zu ducken und „Pieds“, um hochzuspringen.
Für mich nehme ich aus dem Projekt mit – und das habe ich auch beobachtet –, dass die gemeinsame Vorbereitung auf das eigentliche Sprechen in den entwickelten Szenen eine Verbindung zwischen den Schüler*innen geschaffen hat. Dabei war für mich viel Freude spürbar, auch wenn vielleicht nicht immer ganz klar war, warum eine bestimmte Übung gerade als wichtiger Teil der Vorbereitung diente.
Manchmal waren es vielleicht nur kleine Erfolge, doch gerade diese – wie zum Beispiel ein Wort oder einen Satz in der anderen Sprache zu sprechen – konnten einen wichtigen Schritt hin zu mehr Selbstvertrauen bedeuten. Genau das ist eines der Ziele im Konzept Thealingua, und es war sehr schön, diese Entwicklung zu sehen!
Ich glaube, das Besondere daran ist, dass viele dieser Prozesse unbewusst ablaufen und einen positiven Einfluss haben, ohne dass man direkt bemerkt, wie innerlich verschiedene Prozesse in Gang gesetzt werden. Dabei beziehe ich mich zum Beispiel auf die Entwicklung des Sprachkenntnisses der anderen Sprache und auch das Zusammenspiel durch die Arbeit mit dem Körper als Voraussetzung für eine präsente Stimme auf der Bühne.
Helene Fiechtner, Niederbronn-les-bains, 23.3. – 26.3.2026
Traduction française du résumé : Denis Aubert
Remerciements : Erasmus+, Education gGmbH